Eltern lieben ihre Kinder und wollen, dass diese das spüren und wissen. Aber kommen Worte immer an? Wie kann ich als Vater oder Mutter „Ich liebe Dich“ so kommunizieren, dass mein Kind es versteht? Welche Möglichkeiten gibt es Liebe auszudrücken und für Kinder greifbar zu machen?

Der amerikanische Autor Gary Chapman hat die „5 Sprachen der Liebe“ entwickelt, die es ermöglichen Liebe nachhaltig in das Herz des Kindes zu transportieren.

Liebe ist das Fundament für alles!

Kinder haben ein Grundbedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit und Liebe. Sie möchten willkommen und geliebt sein. Leider fühlen sich nur wenig Kinder und Jugendliche bedingungslos geliebt. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Leider verstehen es nur wenige Eltern die Liebe aus ihrem Herzen in das Herz des Kindes zu transportieren. Eltern denken: Das Kind müsse ihre Liebe doch spüren und ein gesagtes „ich liebe Dich“ reiche aus. Dem ist leider aber nicht immer so! Jeder Mensch hat einen emotionalen Liebestank, der ihm Energie liefert, um mit den Herausforderungen des Lebens fertig zu werden. Mit der persönlichen primären Liebessprache füllt sich dieser Liebestank.

Gary Chapman hat hierzu die fünf Sprachen der Liebe entwickelt, die ein wertvoller Schlüssel sind, um Liebe zu kommunizieren. Diese 5 Möglichkeiten sind folgende:

  • Lob und Anerkennung
  • Zweisamkeit – Qualitätszeit
  • Geschenke, die von Herzen kommen
  • Hilfsbereitschaft
  • Zärtlichkeit & Nähe

Das Besondere daran ist, dass jede Person 1 oder 2 primäre Liebessprachen besitzt, die er automatisch versteht und kommuniziert. Die anderen Sprachen werden eher nur unzureichend verstanden und erscheinen unwichtig. Eltern sollten die primäre Liebessprache ihres Kindes herausfinden, damit sie ihre Liebe auf die Art und Weise kommunizieren können, dass diese beim Kind auch ankommt.

Ist das Kind jünger als 5 Jahre ist die primäre Liebessprache noch nicht auszumachen und bleibt eine vage Vermutung.

Im Folgenden möchte ich diese 5 Sprachen der Liebe kurz skizzieren:

Sprache 1: Worte der Ermutigung, Lob, Wertschätzung & Anerkennung

Mit Worten kann man Liebe wunderbar ausdrücken. Worte der Wertschätzung, Anerkennung, Ermutigung, Zuneigung, Liebe und des Lobs sind so wichtig, denn Worte haben Macht!

Worte können ER-mutigen oder ENT-mutigen: Ich liebe dich – du bist mir wichtig – das hast du toll gemacht – ich kann so viel von dir lernen…..

Worte der Wertschätzung entfalten das Selbstwertgefühl des Kindes und füllen dessen emotionalen Liebestank. Da Worte für Kinder aber oft abstrakt sind, sollten Worte der Wertschätzung und der Liebe mit einer Handlung verbunden werden, so dass die gesagten Worte spürbar werden. Wie kann das aussehen? Beispielsweise die Worte „Ich liebe Dich“ mit einer Umarmung verbinden oder bei den Worten „Ich bin stolz auf Dich“ die Hände auflegen. Worte sind so kraftvoll – sie haben Einfluss auf jede Beziehung und das Familienklima!

Sprache 2: Zweisamkeit – Qualitätszeit. 

Qualitätszeit, bedeutet gemeinsame Zeit zu zweit: nur DU + ICH

Hierbei ist immer ungeteilte Aufmerksamkeit mit aktivem Zuhören wichtig, denn dies signalisiert: DU bist mir wichtig und ich interessiere mich für DICH. Es ist mir wichtig ZEIT mit DIR zu verbringen. Hierbei ist nicht so wichtig WAS man gemeinsam macht, sondern DASS man Zeit zu zweit verbringt.Schenke Deinem Kind täglich mindestens 10-15 Minuten Qualtitäszeit: nur DU + ICH

Sprache 3: Geschenke, die von Herzen kommen

Geschenke können ein Symbol der Liebe sein und sind ein sichtbares Zeichen von Zuneigung!

Diese sollten keinesfalls teuer sein, denn zu viele Geschenke können das Kind egoistisch machen und destruktives Verhalten fördern. Daher rate ich kleine Aufmerksamkeiten zu bevorzugen z.B. ein Päckchen Lieblingskaugummi – ein Haarband in der Lieblingsfarbe – eine gepflückte Blume – ein Stein in Herzform – oder auch den Inhalt der Vesperdose liebevoll zu gestalten. Wichtig hierbei ist zu betonen: Als wir getrennt waren, habe ich an dich gedacht!

Achtung: Ein Geschenk ist eine unverdiente Gabe. Etwas für gutes Benehmen in Aussicht zu stellen, ist kein Geschenk, sondern Bestechung….. ein kleiner, aber feiner Unterschied. Auch werden Geschenke schnell als Ersatz für zu wenig Qualitätszeit genommen: Präsente statt Präsenz.

Ein Geschenk ist schnell gekauft, aber wirkliche Zuwendung und Qualitätszeit kosten Zeit und Mühe.

Sprache 4: Hilfsbereitschaft – einen Gefallen tun

Eine weitere Möglichkeit unsere Liebe sichtbar zu machen, ist die Hilfsbereitschaft.

Das bedeutet, dass wir dem anderen zuliebe einen Gefallen tun oder ihm ganz praktisch helfen und unterstützen. Wir übernehmen eine Aufgabe ausnahmsweise, die eigentlich der andere erledigen müssten. Wie kann das aussehen? Ausräumen der Spülmaschine – Übernehmen des Getränkediensts – Unterstützung bei den Hausaufgaben – Hilfe bei Bastelarbeiten u.v.m

Dem anderen etwas zuliebe zu tun, ist definitiv ein Liebesbeweis!

Wichtig dabei ist, dass wir die Aufgaben nicht vollständig übernehmen, sondern diese nur ausnahmsweise übernehmen. Um dies unseren Lieben gegenüber zu verdeutlichen, ist es hilfreich dies verbal zu betonen und zu unterstreichen, so dass es dem anderen auch bewusst wird, dass hier ein Liebesdienst für ihn übernommen wurde.

Sprache 5: Zärtlichkeit & Nähe

Körperliche Berührung und Nähe bedeutet jegliche Form von Körperkontakt: Eine herzliche Umarmung, ein liebevoller Kuss, eine sanfte Massage, das Kind spielerisch in die Höhe schwingen, gemeinsames Toben, auf den Schoss nehmen, ein freundschaftlicher Knuff und vieles mehr. Körperliche Nähe ist mehr als nur Körperkontakt, sie stellt emotionale Nähe her.

In der Baby- und Kleinkindphase gehören hierzu auch die tägliche Pflege mit liebevollen Berührungen und kleinen Massagen, sowie spielerische Berührungen bei Fingerspielen oder das Vorlesen eines Buches auf dem Schoß. Auch im Schulalter haben Kinder noch ein großes Verlangen nach Körperkontakt. So kann eine mutmachende Umarmung beim Abschied am Morgen oder nach der Rückkehr aus Kindergarten und Schule Trost und Geborgenheit vermitteln.

Jungs im Schulalter mögen eventuell keine Umarmungen mehr, aber Körperkontakt kann man auch über ein Schulterklopfen, ein freundliches Anrempeln oder Knuffen vermitteln.

Welche Sprache spricht mein Kind?

Die vorgestellten 5 Sprachen kann grundsätzlich jeder verstehen, allerdings interpretiert sie nicht jeder gleich. Wie eingangs beschrieben ist ein voller emotionales Liebestank für eine gute Entwicklung und Ausgeglichenheit des Kindes wichtig. Um die primäre Liebessprache des Kindes herauszufinden, müssen wir uns auf „Sprachreise“ begeben.

Ältere Kinder kann man direkt fragen, wodurch sie sich am meisten geliebt fühlen.  

Eine gute Beobachtung kann in jedem Alter viele Aufschlüsse geben:

  • Wie bringt das Kind seine Liebe den Eltern oder anderen Personen gegenüber zum Ausdruck?
  • Worum bittet das Kind am meisten?
  • Bieten Sie Alternativen der 5 Sprachen an und beobachten Sie dabei für was sich das Kind meistens entscheidet – zeichnet sich ein Muster ab?

Beispielsweise: Möchtest du lieber ein Spiel mit mir spielen (Qualitätszeit) oder sollen wir gemeinsam dein Fahrrad putzen und reparieren (Hilfsbereitschaft)?

Fazit:

Die 5 Sprachen der Liebe helfen den emotionalen Liebestank des Kindes zu füllen. Um die primäre Liebessprache meines Kindes herauszufinden, muss ich mich als Eltern auf Sprachreise begeben. Als Eltern entscheide ich mich dazu diese Sprache zu lernen und zu kommunizieren, damit der Liebestank des Kindes gefüllt wird. Dies kann manchmal herausfordernd sein, wenn ich diese Sprache nicht automatisch kommuniziere und diese erst „erlernen“ muss. Hierbei hilft eine kleine Notiz am Kühlschrank, die mich täglich dazu ermutigt diese Fremdsprache zu erlernen und bewusst zu kommunizieren.

Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich berichten, dass sich die Investition in die 5 Sprachen der Liebe auf jeden Fall lohnt, denn diese sind ein wertvoller Schlüssel in jeder Beziehung und haben meine Ehe und die Beziehung zu meinen Kindern bereichert und vertieft.

Ute Hug

Ute & Jürgen Hug die deutschen Sprecher Ute und Jürgen Hug lebten mit ihren beiden Kindern für fünf Jahre in Charleston/SC. Dort haben sie Seminare von Anne Marie und Gary Ezzo besucht und sich zu Multiplikatoren ausbilden lassen. Sie haben langjährige praktische Erfahrungen im Bereich Kinder- und Jugendarbeit. Aufgrund ihrer interkulturellen Kompetenz betätigen sie sich darüber hinaus als Länderreferenten für die USA

Mehr Informationen hierzu finden Sie in folgenden Quellen:

  • Buch „Die 5 Sprachen der Liebe für Kinder“ von Gary Chapman (Amazon)
  • Erziehungsratgeber „Childwise – Kinder verstehen und mit Perspektive erziehen“ zu beziehen über kontakt@childwise.de (www.childwise.de)
  • Find me on instagram: Childwise_ute_hug
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